Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design

Vielfalt der Vervielfältigung

1. April bis 15. Oktober 2017

Porzellanikon Selb

www.porzellanikon.org

Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design



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Bärbel Thoelke - Porzellan - Keramik

Galerie Theaterpassage (Hrsg.) Leipzig 1978, Text: C. Keisch , 8 S., 8 Abb.

Bärbel Thoelke • Porzellan – Keramik
Bärbel Thoelke arbeitet nicht spontan. Sie hat sich einem Material verschrieben, dessen künstlerische Gestaltung Konzentration und Exaktheit gerade im Detail verlangt. Erst in jüngster Zeit hat der Werkstoff Porzellan wieder Kunsthandwerker angezogen. Die strenge Teilung in zwei Nutzbarkeitsstufen, die sich herausgebildet hat – nämlich die der ästhetisch meist nivellerten industriellen Serie und als einzige Alternative dazu der frei wuchernde Nippes – machte es schwer, wieder echte gestalterische Maßstäbe zu finden. Das Original bleibt zunächst Vorform, die sich erst in der Serie bewähren muß – das Bestandhaben des Originals wird in seiner Vervielfältigung gemessen.
Bärbel Thoelke hat als Kunsthandwerkerin und Designerin eben diese Verantwortung übernommen. Sie sucht der Herbheit des Materials Liebenswürdigkeit abzugewinnen, sie balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Strenge und Anmut. Das freiwillige Unterordnen ihrer Phantasie unter die Zwänge eines industriellen Fertigungssystems tut ihren Arbeiten ästhetisch keinen Abbruch. Vereinfachung bedeutet auch für sie nicht erzwungenes Abmagern von künstlerisch Üppigen. Einfachheit ist für sie eine innere Haltung: das Fingerspitzengefühl für das klassische Maß.
Und dazu wählt sie sich das scheinbar Simple: die Kugel, das Oval und bereichert es in sensibler Weise. Ihre Freude an der Ausgewogenheit von Höhe und Breite einer ruhig lagernden Dose ist genauso groß wie die an der pointierten Platzierung eines Medaillons, einer schmal schwingenden Bänderung oder einer senkrechten Ritzung. Die straffe Konturierung des Gefäßes wird ihr wichtiger als vormals die zarte Garnierung durch Knäufe und Röschen. In verblüffender Klarheit entsteht die Silhouette einer hohen Fußschale oder der Umriß eines in vielfacher Bogung ausgezahnten Schalenrandes.
Die Zurücknahme in der Darbietung des Emotionalen ist eine Grundhaltung bei Bärbel Thoelke. Durch langwieriges Probieren gewinnt sie dem spröden Porzellan sensible, dekorative Reize ab, die das Material aus der Anonymität des Technisierungsprozesses herausführen. Es scheint mir eben jenes Maß, das zu Beginn des Jahrhunderts Werkbund und Bauhaus in progressiver Absicht angestrebt haben, in so manchem ihrer Gefäße überzeugend verwirklicht. Und wie damals bleibt die Forderung nach der Verbindung von Einfachheit und Materialgerechtheit – ohne Verlust der künstlerischen Intention – für Bärbel Thoelke das entscheidende Kriterium.