Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design

Vielfalt der Vervielfältigung

1. April bis 15. Oktober 2017

Porzellanikon Selb

www.porzellanikon.org

Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design



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Bärbel Thoelke - Porzellan

Galerie Schmidt-Rottluff (Hrsg.), Karl-Marx-Stadt 1981, Text: C. Dietel, 12 S., 18 Abb.

Bärbel Thoelke - Porzellan
Da sind Zylinder, Kugel, Kubus; der Kreis, das Oval und die Parallele. Es sind die elementaren Formen unseres Jahrhunderts. Streng und klar, aber nicht einförmig – die von BÄRBEL THOELKE gefundenen Wandlungen zeigen, wie schöpferisches Vermögen elementare Klarheit zum poetischen Schwingen bringen kann. Die funktionellen Formen ihrer Gefäße sind ästhetischer Genuss all jenen, für die Brauchen und das Schöne sich nicht ausschließen, sondern bedingen. Fremd kann sie nur empfinden, wem nach einem halben Jahrhundert die funktionelle Form bis heute verschlossen blieb und wer deshalb eifrig mit ins Horn bläst, wenn ein wenig weg von uns funktionelles Gestalten in Abrede gestellt werden soll.
Sie braucht nicht das modische Aufsetzen, nicht das neckische oder tiefsinnige Spiel mit wuchernder Dekoration, kaschierenden Ornamenten und aufgelösten Oberflächen, ohne das inzwischen zu viele ihrer Zunft glauben, nicht mehr auskommen zu können. Ihre Gefäße bedürfen auch nicht volkstümelnder Zutaten, um sich „verständlich“ zu geben oder etwa, um nicht beherrschte Proportionen zu verdecken. Sie löst die Formen nicht in geometrische Abwicklungen auf, um sie dann außerhalb des Grundvolumens zu Fragmenten ihrer selbst wieder zusammen zu setzen. Keine Furcht vor dem Funktionellen, dem Elementaren ist bei ihr zu spüren, sondern kraftvolle Heiterkeit und Ernst, darin spielerisch und mit Anspruch immer wieder Neues, Brauchbares zu entdecken. Denn brauchbar wollen ihre Dinge sein. Deshalb braucht sie nichts von den Tagesmoden, Ihre Formen stehen für sich. Eines aber brauchen diese: Die Industrie! Bärbel Thoelkes Gefäße rufen regelrecht nach serieller Fertigung – dafür sind sie geeignet, darauf bezogen, das allein brächte bedarfsdeckende Stückzahlen. Dann zählten sie mit zum seriell Besten in Europa, wiesen uns und unsere Absichten aus. So aber verschließt eine bornierte und tragische Trennung von Kunst und Industrie den Zuganng zu den Fließbändern.
Das läßt fragen, sind ihre Sachen nun Kunsthandwerk oder Produktgestaltung? Für Kunsthandwerk haben sie jenen eigentümlichen Spannungszustand zwischen Handarbeit und seriellem Einfluss, den in diesem Bereich noch immer nur einige der Besten im Lande erreichen. Über Produktgestaltung ebenfalls landläufiger Art weist das poetische Prinzip ihrer Gefäße, das ob der Schranken für diese Arbeit nur selten seriellen Erzeugnissen eigen ist; vom Kontrast zum dümmlichen Modernismus oder zu alberner Nostalgie vielen Industriegeschirrs ganz zu schweigen.
Es ist absehbar, wie sich ihre Arbeit fortsetzt. Eine Manier steht hier nicht ins Haus. Erwarten können wir aber, wie sie im Elementaren mit kraftvoller Klarheit Neues, lang nicht mehr so Gesehenes entdecken wird. Vertrautes Neues, zu helfen, Belangloses zu überwinden.