Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design

Vielfalt der Vervielfältigung

1. April bis 15. Oktober 2017

Porzellanikon Selb

www.porzellanikon.org

Bärbel Thoelke

Porzellan • Kunstform und Design



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Bärbel Thoelke – PORZELLANE / Hannelore Wedemeyer – SEIDEN

Galerie Passage (Hrsg.) Berlin 1988, Text: Jutta Voigt, 16(8) S., 13(6) Abb.)

Gerechter Luxus
Bei den Seiden und Porzellanen von Wedemeyer / Thoelke geht es nicht um Pracht, es geht um Eleganz. Eine Eleganz, begründet im Abstand der Dinge zu sich selber, in der Angemessenheit von Material und Form, in Souveränität. Zurückhaltung, keine Anbiederung. Abneigung gegen das Niedliche, Neigung zum Großzügigen.
Daß sie gemeinsam ausstellen, scheint weniger Konzeption als Intuition einer Zusammengehörigkeit von Seide und Porzellan. Der künstlerische Ansatz ist unterschiedlich, die Erfahrungen ähneln sich. Beide haben an der Weissenseer Kunsthochschule studiert. Die eine war danach fünf Jahre Werkdesigner, die andere arbeitete zwanzig Jahre am Modeinstitut.
Die Rückkehr zum Unikat ist sowohl Reaktion auf „eine bornierte und tragische Trennung von Kunst und Industrie“ (Claus Dietel) als auch persönliches Programm, nämlich die Wertschätzung des Einzelstücks in einer Zivilisation, die zum schnellen Verschleiß tendiert, Abgrenzung. Bekräftigung der Einmaligkeit des Individuums durch die einmaligen Dinge, mit denen es sich umgibt. ….…
Die echten Dinge, die erste Qualität. Weißes makelloses Porzellan, kein Dekor, das Brennfehler verschleiern könnte, „mir würde niemals einfallen, etwas zu bemalen“. Seidige Glätte, herbe Linien, Eleganz der Perfektion, Bekenntnis zum Funktionellen, „man muß es benutzen können. Dennoch immer öfter erfahrene Unverwechselbarkeit: „Jemand steht vor der Tür und sagt, ich möchte etwas von Ihnen kaufen“. Strenge Formen in überraschender Weichheit, Körper zum Anfassen, bei aller Distanz. Gefäße, auf deren scheue Oberfläche ein Licht raffinierte Reflexe setzen kann, plötzliche Sinnlichkeit. Werner Sombart 1912: „Sinnenlust und Erotik sind letzten Endes ein und dasselbe. So daß der erste Antrieb zu etwelcher Luxusentfaltung in der großen Mehrzahl aller Fälle gewiß auf irgendwelches bewußt oder unbewußt wirkende Liebesempfinden zurückzuführenist.“
Seiden und Porzellane, schöne Dinge mit der Fragilität alles Kostbaren. Fetzen von Seide, Porzellanscherben – unter der Oberfläche lauert die Poesie.